Zum hundertsten Jahr!

Am 08. März haben sich bei Sonnenschein und Musik ein paar Leute auf dem Augustinerplatz in Freiburg getroffen um auf den sexistischen Normalzustand in der Gesellschaft hinzuweisen, der auch am 100. Frauentag noch immer unser Leben bestimmt.

Ankündigung und Flyer

Fotos

Bericht in der Badischen Zeitung

Mittlerweile wird der Frauenkampftag, der aus der Zweiten Internationalen hervorgegangen ist, von Politiker_innen affirmiert und ein Interesse für die Belange von Frauen suggeriert. Verschiedenen Initiativen wird an einem Tag im Jahr ein öffentlicher Raum zugestanden, um auf Probleme und Missstände hinzuweisen. So auch auf dem Rathausplatz in Freiburg, wo sich aber neben Aidsberatung und Initiativen gegen Gewalt an Frauen, auch Parteien- und Kirchenstände tummelten.
Da wir keine Lust auf ein Kaffeekränzchen mit sexistischen Organisationen hatten, trafen wir uns lieber auf dem Augustinerplatz um bei Musik, Kaffee und gutem Wetter ein paar Infomaterialien loszuwerden und Leute für das Thema zu sensibilisieren.
Heteronormative Geschlechterrollen und Lebensweisen prägen die bürgerliche Gesellschaft und grenzen so alle Individuen aus, die den gesetzten vorherrschenden Normen nicht entsprechen und auch nicht entsprechen wollen. Durch biologistische Argumentationen sehen sich sowohl Frauen als auch Männer Ansprüchen an ihr Verhalten und ihre Lebensgestaltung ausgesetzt, die ein Herrschaftsverhältnis des „Normalen“, Akzeptierten über das „Andere“ herstellen und aufrecht erhalten und so zur Unterdrückung der von dieser Gesellschaft nicht vorgesehenen Identitäten führen. 
Diese Kategorisierung und Verhaltensregulierung ist einer der Gründe dafür, dass Frauen noch immer eine minderwertigere Position in dieser Gesellschaft zukommt. Das vermeintlich Weibliche wird diskursiv hergestellt und gleichzeitig herabgesetzt, immer wollen selbst ernannte Expert_innen wissen, was das spezifisch Weibliche ausmacht und warum so definierte Personen ungeeignet sein sollten bestimmte Aufgaben zu übernehmen.
Gleichzeitig wird das Ungleichverhältnis in der kapitalistischen Produktionsweise verankert. Menschen mit abgewerteter gesellschaftlicher Position dürfen entweder zusätzlich unbezahlte Reproduktionsarbeit leisten und darin ihr Lebensglück suchen oder es werden an ihnen alle möglichen „arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen“ praktiziert, die dem Kapital eine erhöhte Mehrwertabpressung zusichern sollen. Nicht umsonst sind Frauen und rassistisch diskriminierte Personen als erstes und am häufigsten von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen und am ehesten von gesellschaftlichen Ressourcen ausgeschlossen.
Nicht zuletzt wird den weiblich definierten Personen das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper abgesprochen. Sie sollen im Privaten und durch eigene Mühsal für den gesellschaftlich benötigten Nachwuchs sorgen; ob sie das tun wollen oder nicht, wird aber gerne ihrer eigenen Entscheidung entzogen und von Leuten bestimmt, die ganz bestimmt keine Konsequenzen und Verantwortung zu fürchten brauchen. Die Betroffenen sind aber nicht nur gesellschaftlicher Stigmatisierung ausgesetzt, sondern werden zusätzlich von christlichen Fundamentalist_innen unter Druck gesetzt. So auch in Freiburg, wo Abtreibungsgegner_innen Frauen vor pro familia auflauern und sie mit wirrem Gebrabbel und Plastikembryonen bedrängen.
Im April wollen zudem wieder die rechtskonservativen, antisemitischen Piusbrüder ihren Gebetsmarsch durch Freiburg abhalten, um gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen zu demonstrieren. Haltet Ausschau nach weiteren Informationen!
 www.piusentgegentreten.blogsport.de

Gegen den widerlichen Normalzustand! 
Fuck your gender!